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Review: Avantasia – The Wicked Symphony

Freitag, 16. April 2010

Nun wage ich mich endlich an das versprochene Avantasia-Review. Da “The Wicked Symphony” und “Angel of Babylon” kein Doppelalbum sein sollen, sondern zwei eigenständige, wenn auch thematisch verknüpfte Werke, fangen wir mal mit “The Wicked Symphony” an. Vorweg kann ich schonmal sagen, dass ich dieses Album besser finde als seine Geschwisterplatte.

Aber nun zum Thema. Ja, lieber Herr Sammet, ich muss sagen, du machst es mir nicht ganz leicht. Ich habe bis jetzt mit dem Review gewartet, um die Songs länger wirken zu lassen.

Der Opener und Titeltrack verspricht Erlesenes – ein Kracher erster Güte, mit der geballten Stimmpower von Tobias Sammet, Russell Allen und Jorn Lande. Das ist Bombast, wie wir ihn von Avantasia kennen und lieben. Sammet scheint hier zu seinen Metal Opera-Wurzeln zurückzukehren. Und so ist auch das folgende “Wastelands” mit Sammet und Kiske waschechter Powermetal – ein richtiger Gute-Laune-Track.

Was jetzt folgt, ist für mich der Aussetzer des Albums. Das liegt nicht etwa an “Ripper” Owens Sangesleistung (die ist perfekt), sondern an Herrn Sammets Songwriting. Die Harmonien im Refrain von “Scales of Justice” sind meiner Meinung nach total missglückt – es klingt nicht schräg, sondern einfach… falsch. Es tut mir sehr leid für den Song – er hätte was besseres verdient.

“Dying for an Angel” ist die erste Single-Auskopplung und die Leadvocals singt Klaus Meine himself. Für mich ein Song mit Ohrwurm-Potenzial, der schon in Richtung Hardrock geht und eher an das Vorgängeralbum “The Scarecrow” erinnert als an die alten Avantasia-Scheiben. Auch “Blizzard on a Broken Mirror” gefällt, ebenso die Powerballade “Runaway Train”. Der Achtminüter steigert sich schön dramatisch und hat mit Catley, Lande, Sammet und Kiske fast die ganze Mannschaft der Sangeskünstler dabei.

Mit “Crestfallen” folgt ein ganz netter Powermetal-Track. Allerdings sollte Tobias das, naja, Screaming einem Kollegen überlassen – bei ihm kling´s eher nervig, so sehr ich seine Stimme ansonsten auch schätze. Der Song blieb bisher genauso wenig in meinem Gehörgang hängen wie das folgende “Forever is a long time”, wobei auch dieser Titel keinesfalls schlecht ist, insbesondere wegen Jorn Landes Gesangsleistung.

Etwas düster-dramatisch präsentiert sich “Black Wings” – ein gelungener Song, auch wenn der Titel sehr nach kommerziell orientiertem Female-fronted-Gothic-Pop-Metal klingt. “States of Matter” ist klassischer Avantasia-Powermetal. Viel Power, viel Metal, viel Avantasia. Daumen hoch. Der letzte Track heißt “The Edge” und bildet einen schönen Abschluss für “The Wicked Symphony”.

Mein Fazit zum ersten der beiden neuen Sammet-Werke: solide, ja, sogar richtig gut, aber nicht herausragend. Ich weiß, das Album hat fast durchgehend Bestnoten bekommen, aber ich kann mich dem nicht ganz anschließen. 8 von 10 Punkten sind denke ich angemessen. Es ist bis auf “Scales of Justice” kein Aussetzer dabei, es macht Spaß, die Scheibe durchzuhören und “The Wicked Symphony” ist ebenso wie “Dying for an Angel” ein richtig guter Song. Was mir fehlt, sind zukünftige Klassiker, die wirklich im Ohr und im Herzen bleiben.

“Angel of Babylon” werde ich in einem eigenen Beitrag besprechen. Ich denke, es reicht für heute :-)

Der Herzschlag Irlands war im Saarland zu hören

Samstag, 13. März 2010

Gestern war ich bei Irish Heartbeat in der Illinger Illipse. Das ist ein kleines Festivalchen für irische Musik, bei dem drei Gruppen und eine Steptänzerin für zauberhaft-feurig-irischromantische Melodien und Rhythmen sorgen. Das war noch handgemachte Musik und die Künstler machten zumindest den Eindruck, als hätten sie noch Spaß an ihrem Job. Ja, ich mag hin und wieder auch Musik, die ohne E-Gitarre und Double-Bass auskommt :)

Shannon Heaton, die mit Ehemann und Mitmusikant Matt aus Boston angereist ist, hat eine wunderbar warme, klare Stimme und beherrscht auch diverse Flötensorten. Nach der vergleichsweise ruhigen, aber wunderschönen Performance des Duos sorgten die Rapparees für richtig Stimmung. Die fünf jungen Banditen – denn das bedeutet ihr Bandname – sorgten dafür, dass meine Füße fast gemeutert und sich selbstständig gemacht hätten :) Auch die Paul McKenna Band machte ganz schön Dampf im Dudelsack – auch wenn einer der Herren äußerlich gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Mr. Bean hatte (man möge mir verzeihen, aber DOCH JA!).

Was mich jedes mal wieder verwundert, ist die Tatsache, dass die meisten dieser Musiker eine ganze Reihe an Instrumenten beherrschen. Banjo, Gitarre, Dudelsack, Fiddle und Whistle – und singen können sie auch noch! Eine schöne Abwechslung in unserer Casting-Gesellschaft (ach, was wäre die Medienlandschaft nur ohne ihre diversen Gesellschaftswortneubildungen…).

Auch die Performance von Steptänzerin Kieran Jordan war beeindruckend. Ganz unverkrampft hat sie auf der Bühne die Füße wirbeln lassen. Respekt! Ich habe mal einen Irish Step Workshop mitgemacht und wenn ich meine körperliche Verfassung danach mit einem Wort beschreiben sollte, wäre es sicher nicht “unverkrampft” gewesen – eher “muskelverkatert”. Danach und nach Weiberfasching weißt du, wo ein Fuß und eine Wade überall schmerzen können… :)

Hier ist Irlands Herzschlag noch zu hören:
14.03.10: Münster
15.03.10: Eisleben
17.03.10: Balingen
18.03.10: Augsburg
19.03.10: Neustadt an der Aisch
20.03.10: Garching

Weitere Infos auf www.st-patricksday.de

Review: Unheilig – Große Freiheit

Sonntag, 28. Februar 2010

Setzt die Segel, holt die <a name=”#anker”> ein und lasst uns den Stürmen trotzen (sehr passender Text, wenn ich aus dem Fenster schaue). Mit “Große Freiheit” hat der Graf ein sehr durchhörbares Konzeptalbum abgeliefert. Die Seefahrer-Metaphorik zieht sich durchgängig durch alle Songtexte und auch die Melodien schaffen eine gewisse Störtebeker-Atmosphäre. Das Wechselspiel zwischen ruhigen und schnellen Titeln ist gut gelungen. Schön ist der durchweg positive Tenor der Songs. Anders als viele seiner Kollegen setzt der Graf hier nicht auf Herzschmerz und Melancholie, sondern auf erfrischenden Optimismus. Trotz “Seenot”, Gefahren “Unter Feuer” und “Fernweh” erreicht er am Ende sicher den heimischen Hafen.

Das Album kommt ohne songtechnischen Aussetzer daher, viele Nummern sind sogar richtig gut. Da wäre zum einen die Single “Geboren um zu leben, die mit guten Lyrics punkten kann. Sie ist ein Sequel zu “An deiner Seite” und handelt davon, über den Verlust eines geliebten Menschens hinweg zu kommen. “Der Kracher “Unter Feuer” kann gewisse Rammstein-Anklänge nicht leugnen – allerdings ohne lindemannesk gerrrrrolltes R. Ein Song, der live sicher richtig einschlägt. “Große Freiheit” ist des Grafen Liebeserklärung an Hamburg, wo er mehrere Jahre gelebt und seine ersten musikalischen Schritte gewagt hat. Sehr schöner Titel, der – zumindest für saarländische Ohren – sehr nach der Stadt im Norden klingt und ein wenig die Sehnsucht nach der Nordseeküste weckt. Ein weiteres Highlight ist das ruhige “Unter deiner Flagge”. Nun haben Songs zu Ehren der Mutter ja genreübergreifend Tradition im musizierenden Gewerbe – von Queen bis Sido widmet so ziemlich jede Band und jeder Künstler irgendwann in seiner Karriere seiner Mama einen Song. Doch warum auch nicht? Die Unheilig-Variante ist textlich und melodisch einfach nur schön und man kauft´s dem Herrn Grafen ab, was er da singt. “Unter deiner Flagge” wird bei den Fans sicher bald einen Ehrenplatz unter den Unheilig-Balladen einnehmen. Das Album endet mit dem Instrumental “Neuland”, das die Melodien der übrigen Songs wieder aufnimmt und als Abspann dient.

Unheilig setzen bei “Große Freiheit” auf Altbewährtes, was aber durchaus nicht negativ gemeint ist. Die Mischung aus Synthie-Klängen, metallischer Instrumentalisierung und natürlich der warmen, tiefen Stimme des Grafen ist gutes Ohrenfutter. Dass man dabei tief in radiotaugliche Gewässer vordringt, wird so manchem Fan natürlich gegen den Strich gehen. Auch kommen gewisse Tonfolgen ein wenig zu oft zum Einsatz. Da muss der Graf künftig aufpassen, dass er ein bisschen frischen Wind in sein Songwriting bringt. Die Texte sind weiterhin gut und das Album bietet thematisch und klanglich eine Einheit. Das Thema Seefahrt wurde natürlich schon oft besungen und klingt daher stellenweise etwas überstrapaziert, die gute Umsetzung sorgt jedoch dafür, dass dies nicht zur Flaute wird. Die neue Unheilig-Fregatte bekommt von mir 7 von 10 möglichen Rumbuddeln – Prost, ihr Blogmatrosen, Musikpiraten und Webkapitäne!

Epica – Design your Universe

Freitag, 5. Februar 2010

Ein neues Album hat seinen Weg in meinen Player gefunden: Design your Universe, die aktuelle Scheibe von Epica.

Mit Epica ist es immer so eine Sache: sie sind live wahnsinnig gut, ihre wahrhaft epischen Songs sind ebenfalls leckeres Ohrenfutter – aber es stellt sich recht schnell ein akustisches Sättigungsgefühl bei mir ein. Dennoch habe ich beschlossen, diesem Album eine Chance zu geben.

Was haben die Epiker auf das Album gepackt? 15 Songs, bombastisch, dramatisch, gespickt mit zahlreichen Moviescore-Elementen. Und natürlich Simone Simons´ Wahnsinnsstimme. Wer sie einmal live erlebt hat, weiß, dass sie´s drauf hat. Das Album ist durchgängig hörbar, kein Totalausfall zu vermelden – bis auf Semblance of Liberty vielleicht. Hat einen pseudo-gesellschaftskritischen Text und hauptsächlich Growls, welche ich grundsätzlich nur sparsam dosiert hörenswert finde.

Die Highlights sind für mich das dramatische Unleashed, der neunminütige Titelsong Design your Universe, die atmosphärische Ballade Tides of Time und das symphonische Burn to a Cinder mit seinem Wechsel aus Chorbombast, Soli und wunderschönen, melodisch-sanften Zwischenteilen. Besonders der ruhige, gefühlvolle Schluss ist ein Highlight. Hörenswert ist auch das rasante Martyr of the Free World mit seinem hübschen Chor(us).

White Waters ist melodisch eher im Mittelfeld anzusiedeln, aber Sonata Arctica´s Frontmann Tony Kakko als Gastsänger gibt dem Song natürlich ein fettes Plus. Er und die Epicaner kennen sich ja schon von gemeinsamen Touren. Schön, dass daraus mal ein gemeinsamer Song entstanden ist – Duett kann man nicht wirklich sagen, da Tony und Simone immer abwechselnde Gesangsparts haben.

Das unvermeidliche Epos ist Kingdom of Heaven, das es auf 13:35 Minuten bringt. Für mich ist der Longtrack kein wirklicher Höhepunkt des Albums. Er hat seine Momente, aber die Melodie des Chorus im ersten Teil ist in diesem Song absolut fehl am Platze und wirkt wie ein Fremdkörper. Die übrigen Songs haben bisher keinen bleibenden Eindruck hinterlassen und werden es wohl auch nicht mehr, da sie bereits auf der Skip-Liste stehen :-)

Nach der noch kurzen Einhörzeit würde ich dem Album 6,5 von 10 Punkten geben.