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Twitter, Tragödien und Emotionen

Sonntag, 25. Juli 2010

Ich wollte es eigentlich nicht, doch jetzt muss ich doch noch was zum Thema Loveparade-Unglück und Twitter schreiben.

Ich bin verwirrt.

Da passiert etwas schreckliches, unvorhergesehenes – ein gefundenes Fressen für Twitter. Dafür ist es da, für schnelle Reaktionen, sofortiges Feedback.

Natürlich wird viel Müll getwittert, schockierende Aussagen, hämische Kommentare, die erst einmal fassungslos machen. Und natürlich wird diskutiert. Über das Wie, das Warum und auch darüber, wie man es hätte besser machen können.

Und genau daran stören sich jetzt einige. Sie werfen mit Worten wie “Klugscheißer”, “Besserwisser”, “Klappe halten” um sich. Und ich frage mich WARUM???

Natürlich wird hier spekuliert, vorverurteilt, geklugscheißert. Und?? Genau das passiert seit Jahrhunderten an allen Stammtischen, Küchentischen, Großraumschreibtischen dieser Welt. Nur dass es jetzt schriftlich festgehalten wird.

Liebe Leute, wenn ihr Twitter, Facebook und co. nutzt, müsst ihr lernen, damit umzugehen. So sind die Menschen, so versuchen sie, schreckliche Nachrichten zu verarbeiten. Twitter ist kein Journalismus. Hier schreiben Menschen rein subjektive Ansichten, schreiben sich in 140 Zeichen von der Seele, was sie jetzt, in dieser Sekunde, vielleicht auch schon länger bedrückt, bewegt und erfreut. Posten einen Gedanken in die Welt, schnell, unmittelbar, oft unüberlegt. Aber das ist die Natur dieses Mediums. Es ist wie beim gemeinsamen Fußballgucken: man beschimpft erst mal den Schiri, bevor man in der Zeitlupe sieht, dass es tatsächlich abseits war. Das ist nicht fair, nicht produktiv – einfach impulsiv. So sind wir nun mal.

Wem das zu viel wird, was ich auch verstehen kann, der kann ja Twitter einfach mal zwei Tage ruhen lassen und sich in aller Ruhe die Sondersendungen zum Thema im TV anschauen. Am besten die im WDR, denn der hat meiner Meinung nach als einziges Medium ausgewogen, überlegt und journalistisch hochwertig über die Tragödie berichtet.

Von anderen Medien gab´s dagegen die volle Ladung Sensationsgier. Und das geht gar nicht. Denn nicht alles, was am Stammtisch, beim Frühstück und bei Twitter legitim ist, ist mit journalistischen Qualitätsmaßstäben und dem Pressekodex vereinbar.

Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen. Ansonsten hoffe ich, dass diese schlimme Geschichte sachlich und ordentlich aufgeklärt wird – und auch die Journalisten einen guten Job in der Berichterstattung darüber machen. Bilder wie die von der Pressekonferenz des Krisenstabes möchte ich nicht mehr sehen.

Neulich im Bundestag…

Donnerstag, 25. Februar 2010

“Was machen wir heute?”

“Och, wie wär´s mit einem Gesetz?”

“Au ja, am besten was mit Internet!”

…noch neulicher in der Bundestagscafeteria:


“Du, ihr habt doch vor kurzem so ein Gesetz verabschiedet… irgendwas mit Internetsperren. Das ist jetzt in Kraft getreten.”

“Jaaaa?” [Bitte nicht das schon wieder... die Diskussion hatten wir schon, als wir noch mit den andern Dusseln in der Cafeteria gesessen haben...]

“Finden wir doof. Ehrlich jetzt.”

“Hm ja dann… also wir wollen ja auch keinen Krach und die Ursel und der Wolfgang gucken ja jetzt auch nicht mehr so genau hin… wir wenden´s einfach nicht an, ok?”

“Ok! Aber jetzt hab ich immer noch keine Idee, was wir heute machen könnten. Ich hatte schon zwei Chai Latte und drei Muffins und muss jetzt dringend was arbeiten, damit ich morgen noch in den Boss-Anzug passe.”

“Naja, wenn wir schonmal dabei sind… machen wir doch einfach ein Gesetz, dass das neue Internetsperrengesetz wieder rückgängig macht!”

“Aber jetzt hattet ihr soviel Arbeit und Ärger damit! Macht euch das nichts aus?”

“Och, das macht nichts! Mit irgendwas muss man sich ja beschäftigen. So eine Regierungsperiode ist ganz schön lang, wenn man nicht vorzeitige Neuwahlen ansetzt. Und die Ursel und der Wolfgang müssen ja auch beschäftigt werden, sonst gehn die uns hier in der Cafeteria auf den Keks.”

“Ach, deshalb ist der Wolfgang jetzt Finanzminister…”

“…ja, da kann er sich austoben und alles mögliche kontrollieren – und vielleicht kommt ja sogar was Sinnvolles dabei raus. Kaputtmachen kann er jedenfalls nix mehr…”

Der Weichkeks Internetsperren-Gesetz dringt langsam in Dimensionen der Weichheit vor, die schon an Flüssigkeit grenzen: nachzulesen z.B: auf tagesschau.de :-)

Journalismus als Auslaufmodell?

Sonntag, 14. Februar 2010

Auf sueddeutsche.de ist derzeit eine interessante Serie zu lesen: “Wozu noch Journalismus”? Im dritten Teil schreibt Journalist und Blogger Stefan Niggemeier über die Möglichkeiten, die das Internet dem Journalismus bietet – und die dieser einfach nicht wahrnehmen will. Niggemeier moniert die zweifelhafte Taktik, den Webauftritt als Resteverwertung und Zweite-Wahl-Wühltisch zu gebrauchen. Er hat recht: wer nur Agenturmeldungen copyundpastet und einigen Klatsch und Tratsch dazwischensaut, der braucht sich nicht zu wundern, wenn niemand mehr erkennt, dass eigentlich Qualitätsjournalismus hinter dem Meldungs-Sammelsurium steckt. Neue Zielgruppen für die Printausgabe lassen sich damit sicher nicht gewinnen.

Niggemeier kritisiert die Jagd nach immer höheren Nutzerzahlen und die Klickweltmeisterschaften. Stattdessen sollten sich die Angebote darauf konzentrieren, einen treuen Leserstamm aufzubauen und zu halten. Diese Nutzer sind es, die letztendlich auch für den so sehnlichst herbeigewünschten Erfolg von Paid-Content-Angeboten sorgen können. Immerhin: seit StudiVZ und co. das IVW-Ranking gipfelgestürmt haben, wird den Unique Visitors ein größerer Stellenwert beigemessen und löst die Page Impressions als “Online-Währung” ab. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, wie auch Niggemeier schreibt.

Jetzt müssen die Journalisten noch lernen, medienspezifische Beiträge zu erstellen. Man kann nicht einfach den Content aus der Printausgabe zweitverwerten oder, wie Niggemeier schreibt, Agenturmeldungen mit einer werbegespickten Klickgalerie onlinetauglich machen wollen. Es zeugt nicht von Professionalität, wenn wortwörtlich der selbe Text in mehreren Konkurrenzangeboten zu lesen ist. Abschreiben kann jeder, dazu braucht man weder eine Frau Hegemann noch eine Edelfeder. Und dafür wird auch niemand bezahlen wollen.

Niggemeier beschreibt ganz treffend, dass die Journalisten heute nicht vorrangig als Informationsversorger agieren sollten, sondern als Informationsfilterer. Mit anderen Worten: ihre Funktion als Gatekeeper, die das Wichtige vom Unwichtigen, Fakten von Gerüchten trennen und diese Informationen auch professionell aufbereiten, ist heute wichtiger denn je. Klasse statt Masse, dann zahlen wir Leser auch gerne dafür.

Brauchen wir noch Journalismus? Stefan Niggemeiers Antwort auf diese Frage ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen:

“Nicht gebraucht wird nur schlechter Journalismus. Aber das war schon immer so. Es fiel früher nur nicht so auf.”

Quelle: “Wozu noch Journalismus?” (3), von Stefan Niggemeier (sueddeutsche.de)

Meckerkeks des Tages: Layer-Ads

Donnerstag, 21. Januar 2010

//Meckermodus ein

Sie ist die nervigste Erfindung, seit es Online-Werbung gibt: die Layer-Ad. Diese halbtransparenten, aufdringlichen Dinger, die unaufhaltsam aus den letzten Ecken des Browsers angerollt kommen, wenn man sich eigentlich in Ruhe eine Website anschauen will. Und nein, ich sehe gar nicht ein Javascript abzuschalten, um von den Dingern verschont zu bleiben! Ich brauch mein Javascript. Warum kann man sich nicht auf nervenschonende Bannerformate beschränken? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Layer-Ads eine wirksame Werbeform sind – in mir lösen sie immer einen starken Wegklick-und-nie-mehr-wiederkomm-Reflex aus.

Bittebitte, liebe Online-Magazine: bleibt bei euren Skysrapern, Superbannern und Rectangles! Ihr klebt doch auch keinen Pergamentpapierstreifen mit fetter Werbeanzeige quer über das heilige Cover eurer Printausgaben!

//Meckermodus aus

kirana.de ist wieder online!

Sonntag, 27. Dezember 2009

Es ist noch einiges zu tun, aber man kann kirana.de wieder auf die Öffentlichkeit loslassen :-)