20. Dezember 2016    /    Gedanken    /    Tags: , ,

#Breitscheidplatz: Lasst uns doch einfach fühlen!

So, jetzt mal ehrlich. Das Social Web ist gerade ziemlich unbenutzbar geworden. Die Hetzer, die politischen Instrumentalisierer und die Lügenpresse-Schreier nerven seit gestern Abend wieder kolossal. Ich mag aber auch keine Posts im Sinne von „wenn du Angst hast, haben die ihr Ziel erreicht“, „vielleicht war es nur ein Unfall“, „Anderswo ist es noch viel schlimmer“ mehr sehen.

Besonnenheit ist wichtig und richtig, Panik und Vorverurteilungen fehl am Platze. Aber ich kann nicht verhindern, dass es mich gruselt, was derzeit so alles passiert. Ja, es macht mir Angst zu hören, dass Einzeltäter ahnungslose Menschen mitten aus dem Leben reißen können. Und es macht mir Sorgen, nicht zu wissen, ob mein Kind sicher aufwachsen kann. Was sonstwo in der Welt passiert, ist furchtbar, aber ich lebe hier und in dem Augenblick, wo etwas in meiner Nähe passiert, trifft es mich mehr. Das ist menschlich. Nicht rational, nicht fair, aber menschlich.

Manchmal will ich einfach fühlen dürfen. Ich wähle deshalb nicht AfD, ich verurteile niemanden, ich verkrieche mich auch nicht zu Hause. Aber in diesem Moment bin ich traurig, wütend, betroffen und ja, auch ein bisschen ängstlich. Das will ich bitte sein dürfen. Und wenn sich jemand einen Berlin-Avatar hochlädt, dann lasst ihn doch. Vielleicht, nur vielleicht ist es seine Art, das so oft geforderte Mitgefühl mit den Opfern auszudrücken. Lasst den Leuten einfach mal ein bisschen Raum, auf ihre Art mit den Ereignissen umzugehen – solange es nicht in Hetze und Demagogie ausartet. Das hat mit Verarbeiten einer Tragödie sowieso nichts mehr zu tun.

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