Dream Theater in Saarbrücken

Konzertbericht: Dream Theater am 10.02.2014 in Saarbrücken

„An Evening With Dream Theater“ lautete der verheißungsvolle Titel dieses Konzertabends in Saarbrücken. Keine Vorband, dafür 100 % Dream Theater. Pünktlich um 20 Uhr startete ein hübsches Video-Intro mit den animierten Plattencovern sämtlicher Dream-Theater-Werke. Highlight: Eine der Kugeln von „Octavarium“ spielte mit der Brücke von „Systematic Chaos“ ein bisschen Wrecking Ball. Sehr symbolträchtig! 😉

Hier offenbarte die „False Awakening Suite“ ihre wahre Bestimmung. Als Konzert-Intro funktioniert sie nämlich richtig gut – besser als auf dem Album. Dream Theaters selbstbetitelte Platten-Neuschöpfung hat bei mir bis heute nicht wirklich gezündet – aber einige Songs sind echte Live-Perlen.

Mike Mangini Drumsolo (Foto: Esther Wagner)

Mike Manginis Drumsolo

Bühnen-TÜV bestanden

Der erste Akt stand – bis auf „Trial Of Tears“ – ganz im Zeichen der neueren DT-Werke. „On The Backs Of Angels“ und „The Shattered Fortress“ bildeten ein starkes Fundament für die neuesten Songschöpfungen der Progmagier. Und die haben den Bühnen-TÜV bestanden – teils mit Auszeichnung!

Dass „The Enemy Inside“ und „The Looking Glass“ vor Publikum funktionieren würden, war klar. Zwei gute, solide Titel, mit denen man auf keiner Setlist was falsch machen kann. Und „Along For The Ride“ hatte sich schon erstaunlich gut in meiner Ohrwurm-Menagerie eingelebt, wie ich an diesem Abend feststellen konnte 🙂 Doch der absolute Hammer war „Enigma Machine„. Der Song bildete den Soundtrack zu einem lustigen Cartoon. Das war wie ein Stummfilm mit Prog statt Piano – großes Kino! Und dann zauberte Mike Mangini mit solcher Lässigkeit und Glückseligkeit ein wahnwitziges Solo aus seinem Monster-Drumkit, dass man nur noch hypnotisch dastehen konnte, während das Herz den Takt zu halten versuchte. Grandios!

Der erste Akt endete mit „Breaking All Illusions“ – für mich eins der (vielen 😉 ) besten DT-Stücke. Auch wenn er in der Rockhal vor zwei Jahren etwas besser rüberkam: dieser Song ist einfach episch! Es folgte eine Pause, während der das geneigte Publikum mit kleinen Videoclips, neu vertonten Interviews und ganz viel Selbstironie unterhalten wurde. Dieses Augenzwinkern zwischen all den epischen, frickeligen, sperrigen, wahnsinnigen musikalischen Geniestreichen macht Dream Theater so sympathisch.

Geburtstagsständchen für ein Album

Den zweiten Teil des Konzerts widmeten Dream Theater zwei alten Meisterwerken. Vor 20 Jahren wurde „Awake“ aus der Taufe gehoben und schon seit 15 Jahren können wir uns an „Metropolis Pt. : Scenes From A Memory“ erfreuen. Deshalb wurden diese Silberlinge auch gebührend gefeiert. Die Herren spielten tatsächlich die komplette zweite Hälfte von „Awake“ – angefangen bei „The Mirror„. Zu meiner Überraschung gefiel mir „Lifting Shadows Off A Dream“ ausgesprochen gut, obwohl es mich auf Platte nie überwältigt hatte. Nach „Scarred“ dann die Sensation: Die spielen Space-Dye Vest! Heilige Mutter Progges! Dass ich das noch erleben darf! Und es funktioniert wirklich live! Das war definitiv für mich der Höhepunkt des Abends.

Der offizielle Teil endete mit „Illumination Theory„. Ein wirklich toller Zwanzigminüter, der auch live überzeugt. Nur der Videoclip zum orchestralen Konserven-Mittelteil war ein wenig cheesy. Der Song hätte mehr Leuchtkraft verdient als ein paar olle Glühwürmchen 🙂 Aber die Band machte das mit ihrem grandiosen Spiel gleich wieder wett.

Scenes From A Zugabe

Nach zweieinhalb Stunden Dream Theater waren die Ohren schon gut gesättigt, aber ein Dessert „für de Guddschmack“, wie man hier im Saarland sagt, rundete das musikalische Menü erst ab. Die Zugabe war eigentlich ein kompletter dritter Akt – und eine Hommage an „Scenes From A Memory„. „Overture 1928„, „Strange Déjà Vu„, „The Dance Of Eternity“ und zum krönenden Abschluss „Finally Free“ – diese Setlist war wirklich außergewöhnlich.

Ich habe an dieser Stelle „The Spirit Carries On“ schmerzlich vermisst. Nochmal so richtig was fürs Herz – das hätte ich mir gewünscht. Zumal es ja perfekt ins Programm gepasst hätte. So schön es auch ist, viele Live-Raritäten zu hören: ein paar vertraute Songs mit Instant-Chor-Effekt tun einfach immer gut. Vielleicht bin ich in dieser Frage zu unproggig und mainstreamig, aber ich warte immer sehnsüchtig auf meine Lieblinge ^^ Die kamen mir diesmal leider zu kurz. Und der „Count Of Tuscany“ ließ sich auch wieder nicht blicken, der alte Gauner 🙂

Dream Theater in Saarbrücken

Dream Theater in Saarbrücken

Verneigenswerte Leistung

Nach diesem Abend mit Dream Theater kann man der Band nur höchsten Respekt zollen. Das waren drei Stunden erstklassiger Prog, voller Einsatz bis zum Schluss. Nach dem – für DT-Verhältnisse – relativ kurzen Set der „Dramatic Tour Of Events“ wurde ja gemunkelt, die Herren wären vielleicht nicht mehr in Form für ein Marathon-Konzert. Dieses Gerücht haben sie eindrucksvoll widerlegt. John Petrucci ist immer noch Gitarrengott. John Myung bleibt ruhiger Perfektionist. Jordan „iPad“ Rudess beherrscht seinen Gadged-Zoo perfekt und geht mit einer Keytar auf Tuchfühlung zum Publikum. James LaBrie ist in Top-Form und scheut auch die oberen Ton-Etagen nicht. Und Mike Mangini macht schlicht und einfach einen atemberaubenden Job. Diese Band ist nicht nur eingespielt, sondern aus einem Guss – und trotzdem hat jeder genug Spielraum, um sich auszutoben.

Ein so anspruchsvolles Programm mit solcher Leichtigkeit durchzuziehen ist eine Wahnsinnsleistung. Das Publikum – ich eingeschlossen – verfolgte geradezu ehrfürchtig, was sich auf der Bühne abspielte: die komplexen Melodien, das virtuose Spiel der Band, die aufwändigen Videoprojektionen – das war so faszinierend, dass sogar die Smartphones ausgeschaltet blieben. Nur vereinzelt zückte mal jemand die Handykamera, um ein paar Momente dieses Abends festzuhalten. Die Menschen waren voll und ganz bei der Show. Ein Konzert ohne Touchscreen-Meer – das ist selten geworden.

Dieser Abend mit Dream Theater war keine leichte Kost. Das Programm bestand fast nur aus hochkomplexen Stücken. Ein, zwei Ohrwürmer hätten zwischendurch gut getan. Doch aus künstlerischer Sicht war das ganz großes Theater der Träume.

Klangkiller Saarlandhalle

Kommen wir noch zum einzigen echten Minuspunkt: der Location. Die Saarlandhalle ist einfach nur ein Graus. Das fängt bei der Parksituation an und hört bei der miserablen Akustik noch nicht auf. Je nach Standort scheppert und klirrt es wie in Omas Porzellanvitrine bei einem Erdbeben. Das kann einem schon ein wenig den Spaß verderben. Und ich bin eigentlich recht schmerzfrei in Sachen Soundqualität. Ich nehme jedenfalls gern die längere Fahrt zur Rockhal in Esch-sur-Alzette in Kauf, wenn ich dafür schmerzfreien Klang und einen stressfreien Parkplatz bekomme.

Auf der Website der Garage gibt´s Fotos  vom Konzert >>

Setlist

Act I
False Awakening Suite
The Enemy Inside
The Shattered Fortress
On the Backs of Angels
The Looking Glass
Trial of Tears
Enigma Machine
Along for the Ride
Breaking All Illusions

Act II
The Mirror
Lie
Lifting Shadows Off a Dream
Scarred
Space-Dye Vest
Illumination Theory

Zugabe
Overture 1928
Strange Déjà Vu
The Dance of Eternity
Finally Free
Outro: Illumination Theory

 

 

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Dream Theater kommen nach Saarbrücken | Panzerkeks.de

  2. Ja, es hätte ein so tolles Konzert werden können, wenn die Tontechnik die Akustik der Halle in Griff bekommen hätte. Dass Jordan Rudness oder John Petrucci mitspielen konnte man meist ja nur sehen. Unmöglich, dass alles zu einem Klangbrei deformierte wurde, wo nur noch Schlagzeug und Bass den Klang dominierten. All die Feinheiten und Klangvielfalt die DT so auszeichnet, nichts davon. Ich bin zur Halbzeit nach Hause gefahren und trauere immer noch den fantastischen Musikern hinterher. Schande über den Tontechniker. Der Veranstalter sollte dringenden Investitionsbedarf anmelden, die Aktustik der Halle zu verbessern…

  3. Ja, das war wirklich ärgerlich. Ich werde mir wohl kein Konzert mehr in der Saarlandhalle anhören. Traurig, dass wir keine ordentliche große Konzertlocation im Saarland haben.

  4. Ja meine Herren….das mit der Akustik ist ein Problem heut zu Tage aaaaber….in der saarlandhalle war es nicht überall so

    Meine erste hälfte am Mischpult verbracht….eher schlecht als recht. Aber dann Wechsel vor das Mischpult und siehe da…..Sound bis in den Magen….und das sauber. Also einfach mal bisl mehr testen….ja ich weiß geht nicht überall.
    Ps….vor einer Woche in Offenbach war es überall sau schlecht 🙂

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