Review: Alcest – Shelter

Alcest - Shelter bei Amazon kaufenMeine erste musikalische Neuanschaffung des Jahres kommt aus der Ecke „klingende Traumwelten“. „Shelter“ heißt das neue Album von Alcest und ich bin sehr erfreut, dass ich dieses kleine, feine Schmuckstück entdeckt habe. Alcest ist ein französisches Projekt unter der Regie von Stéphane „Neige“ Paut, das eigentlich in der Black-Metal-Ecke angefangen hat. Doch ganz ähnlich wie die Kollegen von The Gathering oder Anathema ist die Musik aus dem düsteren Verlies langsam ans Tageslicht gekrochen und immer melodischer und sphärischer geworden. Mittlerweile hat sich Alcest in der Post-Rock- und Shoegaze-Sparte eingelebt.

Alcest klingt wie ein vertontes High-Key-Foto mit viel Bokeh und Tiefenunschärfe – zart, pastellig und mit aufgehellten Schatten voller Details, die sagenhafte Tiefen erahnen lassen. Neiges warme, ruhige Stimme ruht auf einem fliegenden Klangteppich und nimmt uns mit in eine magische Welt. Die Songs strahlen eine unglaublich positive Melancholie aus.

Sänger und Multiinstrumentalist Neige hat fast alles selbst eingespielt. Unterstützt wird er u.a. von seinem Schlagzeuger Jean „Winterhalter“ Deflandre und beim Song „Away“ von Neil Halstead, Sänger der Schuhgucker-Pioniere Slowdive. Aufgenommen wurde „Shelter“ an dem Ort, wo ein solches Album in besten Händen ist: In Sigur Rós´Studio in Island.

Zu den Highlights der Platte gehören für mich der Titelsong „Shelter“, das ätherische „Déliverance“, das unglaublich positive „Opale“ und das schnellere „La nuit marche avec moi“. Aber alle Songs bewegen sich auf hohem Niveau und klingen wie aus einem Guss. An der ein oder anderen Stelle hätte sich ein wenig mehr Abwechslung gut gemacht. Trotzdem tritt auch nach häufigem Hören keine Innenohr-Übersättigung ein. Die Songs sind einfach so federleicht und feenhaft, dass sie immer wieder Spaß machen. Es tut gut, dass nicht jeder Songwriter sich der Hitmaschineries unterwirft, sondern lieber ein Gesamtkunstwerk produziert.

„Shelter“ ist der perfekte Soundtrack für einen entspannten Sonntag voller Tagträume. Wer den lieben langen Tag nur hartes Trommelfell-Geballer braucht, der wird an „Shelter“ und generell an Alcest keine Freude haben. Aber wer mit Anathema oder The Gathering was anfangen kann, könnte dieses Album lieben.

Website von Alcest: alcest-music.com

Alcest – Shelter

1. Wings
2. Opale
3. La Nuit Marche Avec Moi
4. Voix Sereines
5. L’éveil Des Muses
6. Shelter
7. Away
8. Délivrance
9. Into The Waves

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