Review: Subsignal – Paraíso

Mit ihrem großartigen zweiten Album „Touchstones“ haben Subsignal vor zwei Jahren den Supergeheimer-Geheimtipp-Status hinter sich gelassen und die Messlatte für künftige Veröffentlichungen sehr hoch gelegt. „Paraíso“ heißt der Nachfolger – was soll man da anderes erwarten als ein Paradies für die Ohren? Zumal das Album mal eben mit dem besten Cover-Artwork des Jahres daherkommt? Vom Welpenschutz können Markus Steffen, Arno Menses und Kollegen schon längst nicht mehr profitieren. Aber um es vorweg zu nehmen: Den haben sie auch gar nicht nötig!

Der Titelsong öffnet schon mal eindrucksvoll das Tor zum erwähnten „Paraíso“. Subsignal machen da weiter, wo sie mit „Touchstones“ aufgehört haben: mit fesselnden Melodien, die ins Ohr gehen, aber es dem Hörer niemals zu einfach machen, keine Selbstzweck-Frickel-Soli, sondern Konzentration auf das Gesamtbild des Songs. Ein filigraner Trademark-Sound, der zwar das Sieges-Even-Erbe hochhält, aber doch ganz eigen klingt.

Mit „A New Reliance“ geht’s auf diesem hohen Niveau weiter. Subsignal ziehen das Tempo an und mogeln ein paar Reggae-Rhythmen in den Song. Ja, das funktioniert tatsächlich, und zwar ganz hervorragend! Danach wird es ruhiger im Paradies. „A Heartbeat Away“ erinnert streckenweise ein wenig an „To Hope The Road Is Long“ vom Debütalbum „Beautiful & Monstrous“, ist aber um einige Takte ruhiger – ohne zur echten Ballade zu werden. Die große Kunst von Subsignal ist es, ohne Pomp und Pathos Spannung zu erzeugen. Gerade mit den leisen, langsamen Parts ihrer Songs bringen sie die Luft zum Knistern. Deshalb brauchen sie an den lauteren Stellen nicht mit dem Dampfhammer draufzudreschen, sondern können wohldosiert in die Vollen gehen. Sehr schön zeigen sie das in „The Colossus That Bestrode The World“, dem proggigsten Song des Albums. Sämtliche Soli und Frickelparts werden sorgfältig in den Song eingebunden, sollen zwar immer wieder aufhorchen lassen, aber niemals das Gesamtkunstwerk stören.

Zu meinen Favoriten gehört „A Long Way Since The Earth Crashed“, eine Kurzgeschichte in Liedform, die sich recht schnell im Innenohrgedächtnis festsetzt. Damit stehe ich wohl ziemlich alleine da, wenn ich mir andere Rezensionen anschaue. Nicht komplex genug, zu mainstreamig, habe ich gelesen. Und es stimmt: Das Stück ist eigentlich kein Prog-Titel mehr, sondern geht fast in Richtung Classic Rock. Aber das macht „A Long Way…“ nicht automatisch zu einem schlechten Song – im Gegenteil. So ein leicht verdaulicher Ohrenschmeichler für zwischendurch würde manchem Progwerk guttun.

An einer Stelle stranden Subsignal aber doch in seichten Gewässern. „The Blueprint Of A Winter“ ist eine waschechte Popballade geworden. Für das Duett mit Marcela Bovio von Stream Of Passion haben die Jungs eine dicke Schicht Zuckerguss angerührt. „Blueprint“ ist zwar ein hübscher Song, aber bei jedem Hören bleibt der Eindruck, dass etwas fehlt, dass Subsignal sich mit der Tortenfüllung unter dem süßen Topping nicht genug Mühe gegeben haben. Schade, denn die Stimmen von Arno und Marcela harmonieren sehr gut. Hier wurde Potenzial verschenkt (oder dem Mainstream-Gott geopfert?).

Nach dem kleinen Zwischentief schwimmen Subsignal sich aber schnell wieder frei – mit dem bereits erwähnten „Colossus“ und dem wunderschönen „Swimming Home“, das für einen leisen und doch hochdramatischen Abschluss sorgt. „Swimming Home“ ist 100 Prozent Subsignal – und einer der besten Titel des Albums. Nur wenige Bands schaffen es, Melancholie so leicht und optimistisch klingen zu lassen. Die Melodien ziehen den Hörer unweigerlich in ihren Traumwandler-Bann und bauen eine emotionale Spannung auf, die zu Tränen rührt. Großes Audio-Kino!

Mit ihrem dritten Album bewegen Subsignal sich zielstrebig in Richtung der ersten Prog-Liga. „Paraíso“ hat von allen Veröffentlichungen der letzten Wochen die meisten Runden in meinem Player gedreht. Das Album ist runder als die neue Dream-Theater-Platte und strahlt die Wärme aus, die ich bei der neuen Fates Warning vermisse. Das ist dem sorgfältigen Songwriting, dem nahtlosen Zusammenspiel der Band, aber auch den herausragenden Sangeskünsten von Arno Menses geschuldet. Zwischendurch hätte ich mir etwas mehr Heaviness gewünscht – natürlich wohldosiert und immer mit Blick auf die Gesamtkomposition. Das haben die Jungs auf „Touchstones“ einen Tick besser hinbekommen. Insgeheim habe ich auch auf „Embers – Pt. 2“ gewartet, aber das kommt dann sicher mit dem nächsten, noch fantastischeren Subsignal-Album 😉

Subsignal – Paraíso

  1. Time And Again
  2. Paraíso
  3. A New Reliance
  4. A Heartbeat Away
  5. A Long Way Since The Earth Crashed
  6. A Giant Leap Of Faith
  7. The Stillness Beneath The Snow
  8. The Blueprint Of A Winter
  9. The Colossus That Bestrode The World
  10. Swimming Home

 

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