Review: Fates Warning – Darkness In A Different Light

Fates Warning - Darkness In A Different Light bei AmazonNeun Jahre sind in der Zeitrechnung der Musikwelt eine halbe Ewigkeit. Gefühlte Jahrhunderte, in denen Saitenhelden und große Barden in Vergessenheit geraten – oder zu Legenden werden. Fates Warning waren schon Legenden, als sie noch voll im Geschäft waren. In den letzten Jahren waren sie auch nie ganz von der Bildfläche verschwunden. Ein paar Konzerte hier und da und Nebenprojekte wie Ray Alders Redemption oder Jim Matheos‘ O.S.I. Und natürlich Sympathetic Resonance mit Alt-Fates-Warner John Arch riefen uns immer wieder in Erinnerung: „Da müsste doch noch was gehen…“.

Aber neues FW- Material gabs letztmalig vor neun Jahren. Deshalb war die Vorfreude natürlich groß, als die Ankunft eines neuen Albums proklamiert wurde. Seit Ende September ist „Darkness In A Different Light“ nun draußen und es hat schon so einige Rundläufe hinter sich.

Ein feines Silberschmuckstück haben die Prog-Pioniere da abgeliefert. Es sind keine Rostansätze erkennbar. Schon der Einstieg mit „One Thousand Fires“ ist stark. Auch das bereits vorab veröffentlichte „Firefly“ überzeugt auf ganzer Linie und hat sogar ein gewisses Ohrwurm-Potenzial.

Es folgt mit „Desire“ ein unspektakulärer Rocker – und dann der Tiefpunkt des Albums: „Falling“. Ein Mini-Song, ach, eher ein verlängertes Intro, das nach 1:30 min einfach um Nichts endet. Was soll das? Das klingt nach: „Ups, wir haben ganz vergessen, eine Ballade zu schreiben! Haben wir noch irgendwo was rumliegen, das wir dazwischenschieben können?“

Dafür wird’s mit „I Am“ aber gleich richtig schön proggig und metallisch. Ein sehr moderner Titel. Und das nächste Highlight folgt sogleich: das düster-hypnotische „Lighthouse“ passt wunderbar zur gepflegten Herbstmelancholie. Ray Alder darf hier mal endlich richtig wehmütig schmachten.

„Into the Black“ hat bei mir mehrere Durchläufe gebraucht, bis er gezündet hat, aber inzwischen gehört er zu meinen Favoriten. Klassischer Prog-Metal in zeitgemäßem Soundgewand – auch mal schön.

„Kneel and Obey“ ist einer der spannendsten Tracks der Platte. Eine orientalisch angehauchte Melodie, ausreichend Gefrickel und eine deftige Grundhärte – hübsch!

Den Preis für den coolsten Songtitel gewinnt „O Chloroform“. Und nicht nur die Verpackung ist schön, auch der Inhalt. Das Stück bleibt neben „Firefly“ am besten im Ohr. Ray Alder gefällt mir hier besonders gut.

Was wäre ein Fates-Warning-Album ohne Longtrack? „And Yet It Moves“ ist eine Pflichtübung. Aber eine ordentliche. Das Akustikgitarren-Intro irritiert anfangs zwar ein wenig, weil mir bei den ersten Tönen immer unwillkürlich die Melodie von Inspektor Gadget einfällt, aber sonst ist das Ding ganz nett 🙂 Die Instrumentalfraktion darf hier mal schön die Sau rauslassen, aber auch Ray hat seine Momente. Ein Prog-Werk nach Lehrbuch. Kein Meisterstück, aber hörenswert.

„Darkness In a Different Light“ ist ein wirklich ordentliches „Comeback“-Album geworden – wobei Fates Warning ja nie ganz untergetaucht waren. Trotzdem bekommt die Platte alleine deshalb schon Pluspunkte, weil es schön ist, wieder was Neues von den Altmeistern zu hören. Das Niveau der Songs ist fast durchgehend hoch – Ausnahme: dieses halbgare Konstrukt namens „Falling“. Was fehlt, ist ein echter Über-Song, ein neuer Klassiker, irgendwas, das sich im Gehörgang festsaugt. Die Platte hätte stellenweise gerne etwas melodischer und – wärmer klingen können. Die stets unbarmherzige Erwartungshaltung hat darauf bestanden, dass ich das schreibe 🙂 Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung gibt’s natürlich trotzdem.

Fates Warning – Darkness In A Different Light

01. One Thousand Fires
02. Firefly
03. Desire
04. Falling
05. I Am
06. Lighthouse
07. Into The Black
08. Kneel And Obey
09. O Chloroform
10. And Yet It Moves

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