Review: Dream Theater – Dream Theater


Wenn eine Band nach fast 30 Jahren ein selbstbetiteltes Album herausbringt, darf man Großes erwarten. Auf dem Waschzettel steht dann ja oft sowas wie „sie sind bei sich selbst angekommen“, „es ist ihr persönlichstes Album“, „es ist die Essenz ihres bisherigen Schaffens“ oder ähnlich pathetisches Zeug. Auch Dream Theater wollten mit dem „Selfie“ sagen, dass sie noch mit ganzem Herzen dabei sind und dass nach der Portnoy / Mangini-Zäsur wieder Harmonie und Vertrautheit das Bandklima bestimmen – und dass der „neue“ Mike hinter der Schießbude jetzt voll integriert ist. Das Vorgängeralbum „A Dramatic Turn Of Events“ gehört für mich zu den besten, in sich stimmigsten Platten, die die Könige des Prog bislang veröffentlich haben. Meine Erwartungen an „Dream Theater“ waren entsprechend astronomisch.

Ich habe mir wirklich Zeit gelassen. Ich habe dem Album viele Durchläufe gegönnt, es wachsen, reifen lassen. Gehofft, dass es einfach ein wenig braucht, um sich mir in Ohr und Herz zu spielen. Jetzt, nach einer Woche, muss ich aber endlich einen Strich drunter machen und dieses Review schreiben. Mein Fazit: „Dream Theater“ ist ein gutes Album geworden. Es ist kein überirdisches Album, es ist auch kein sehr gutes Album. Es ist einfach nur „gut“. Und auch wenn das unfair klingt: „gut“ ist von dieser Band nicht gut genug.

Einzeln betrachtet sind die Songs alle solide bis vielversprechend. Es ist kein einziger Aussetzer dabei. Es ist aber auch kein wirklicher Ausreißer nach oben zu finden. Zumindest nicht, wenn man Dream Theaters beeindruckendes Gesamtwerk betrachtet. „Dream Theater“ lässt sich wunderbar durchhören, der Zeigefinger zuckt nie Richtung Skip-Taste. Aber wenn die letzte Note verklingt, kann ich mich kaum noch erinnern, was ich da gerade gehört habe. „Dream Theater“ zündet nicht. Vielleicht wird zwischendurch mal ein kleines Flämmchen entfacht, das aber schnell wieder erlischt.

Dabei wäre durchaus Potenzial vorhanden. „The Enemy Inside“ ist ein wirklich guter Track, der auch auf „ADTOE“ gepasst hätte. Aber er wäre zwischen „“Outcry“, „Breaking All Illusions“ und „Bridges In The Sky“ ein wenig untergegangen. „The Bigger Picture“ ist eine sehr, sehr schöne Halbballade, die ihre Momente hat. Wenn da nur nicht der Schluss wäre. Der klingt total deplaziert und erweckt den Eindruck, als sei der Band nichts besseres eingefallen. Schade.

Das wirkliche Highlight des Albums ist „Illumination Theory“. Natürlich, ein Longtrack – 22 Minuten Spielzeit geben schon mal Bonuspunkte 🙂 Aber sie sind auch mit feinem Inhalt gefüllt. Hier dürfen alle fünf Traumtheater-Spieler nochmal richtig Gas geben. Wir haben vertrackte Instrumentalteile, epische Drama-Stellen mit und ohne Gesang und einen wirklich wunderschönen symphonischen Mittelteil im Score-Design. So habe ich mir das vorgestellt! An ein „The Spirit Carries On“ oder auch „The Count Of Tuscany“ kommt „Illumination Theory“ zwar nicht heran, aber der Song wird live sicher für Gänsehaut sorgen.

Ein Meilenstein in der Geschichte des Traumtheaters ist „Dream Theater“ nicht geworden. Darüber kann auch der Selbsttitel nicht hinwegtäuschen. Die Herrschaften sind selbst schuld: sie haben die Messlatte verdammt hoch gelegt. Sie haben so viele großartige Songs im Repertoire, dass sie alleine mit alten Hits zwei Konzertabende füllen könnten. Da ist es schwer, nochmal ne Schippe drauf zu legen. Aber da geht noch was, das haben sie mit dem Vorgängeralbum bewiesen. In zwei Jahren erwarte ich entweder ein geschichtsträchtiges Konzeptalbum oder einen neuen Über-Song! Aber jetzt freue ich mich erst mal auf die Tour Anfang 2014. Wer weiß: vielleicht stellt sich der eine oder andere Song noch als echte Live-Überraschung heraus…?

 Dream Theater – Dream Theater

  1. False Awakening Suite
  2. The Enemy Inside
  3. The Looking Glass
  4. Enigma Machine
  5. The Bigger Picture
  6. Behind the Veil
  7. Surrender to Reason
  8. Along for the Ride
  9. Illumination Theory

 

Tourdaten

26.01.14 — München – Freimann
30.01.14 — Ludwigsburg – MHPArena
01.02.14 — Offenbach am Main – Stadthalle
07.02.14 — Bamberg – Brose Arena
09.02.14 — Hannover – Swiss Life Hall
10.02.14 — Saarbrücken – Saarlandhalle
18.02.14 — Düsseldorf – Mitsubishi Electric Halle

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