Kritik: Star Trek – Into Darkness

Spock (Speedpainting) (c) Esther WagnerZwei Tage nach der Preview fühle ich mich nun in der Lage, eine Kritik zu Star Trek: Into Darkness zu schreiben. Die Ultra-Kurzfassung: Es war großartig. Das ist es, was ich unter Blockbuster-Kino verstehe.

Falls ihr meinem Urteil blind vertraut, könnt ihr hier aufhören und Kinokarten reservieren 🙂 Aber wenn ihr mehr wissen wollt, könnt ihr, auch wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, relativ gefahrlos weiterlesen. Alle Spoiler sind in Boxen versteckt und werden nur durch Anklicken lesbar.

Gehen wir etwas mehr ins Detail. J.J. Abrams gönnt seinem geneigten Publikum wenige Verschnaufpausen. Er scheucht seine Protagonisten von einer Actionszene zur nächsten und findet doch genug Zeit für große Emotionen. Klar ist „Into Darkness“ ein durchgestyltes Effektgewitter, aber mal ehrlich: das wollen wir doch sehen! Ich mag J.J. Abrams. Ich mag seine Art, Geschichten zu erzählen, ich mag seinen Style und ich mag in wohldosierter Form* sogar den Einsatz von Lensflares (* hat er in diesem Film ganz gut hinbekommen). J.J. hat Star Trek gutgetan. Die meisten werden mir sicher zustimmen, dass beide TNG-Filme nach dem großartigen „First Contact“ verzichtbar (um nicht zu sagen: überflüssig) waren. Dann kam 2009 dieser neue Star-Trek-Film ins Kino und ich hätte heulen können vor Freude. J.J. Abrams hat es geschafft, den Geist der Serie zu bewahren und sie zugleich von ihrer dicken Staubschicht zu befreien.

„Into Darkness“ besteht aber nicht nur aus Action und Eyecatchers. Der Film hat viel Herz.

Spoiler

Sei es die Freundschaft zwischen Kirk und Spock, die kriselnde Liebesbeziehung von Spock und Uhura, die rührende Sorge von Admiral Pike um seinen widerspenstigen Ziehsohn oder Scottys leidenschaftliches Festhalten an seinen moralischen Prinzipien. Aber auch John Harrison ist kein brutaler Abziehbild-Bösewicht, sondern ein düster-charismatischer Antagonist, dem man zeitweise sogar einen Anflug von Verständnis und Sympathie entgegenbringt. Lediglich etwas mehr Charakter-Screentime für Pille, Chekov und Sulu wäre schön gewesen. Vor allem McCoy hätte ich gern häufiger gesehen.Verbergen

Chris Pine und Zachary Quinto machen einen sehr guten Job und Simon Pegg ist wieder super-sympathisch und lustig – mein heimlicher Liebling an Bord der Enterprise 🙂 Benedict Cumberbatch ist wie erwartet brillant. Endlich wieder ein mehrdimensionaler Superschurke, der nicht sofort in Vergessenheit gerät (wie sehr hätte ich mir einen Bösewicht diesen Kalibers im letzten Batman-Streifen gewünscht!). Auch die Lachmuskeln werden im Verlauf des Films immer mal wieder beansprucht, was meiner Meinung nach zu einem Trek-Film dazugehört.

Star Trek: Into Darkness ist keinesfalls perfekt. Einige fette Plotholes lassen sich auch mit dem Totschlagsargument „alternative Zeitlinie“ nicht schließen und an manchen Stellen würde Spock aufgrund von fehlender Logik einen picardschen Facepalm erster Klasse vollführen. 

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Zum Beispiel dieser Quatsch mit dem Transwarp-Beamen. Hätten wir das nicht zu den geheimen Sternenflotten-Akten legen können? Liegt das Klingonenterritorium gerade um die Ecke oder warum ist die Enterprise wieder so schnell zu Hause, nachdem der Antrieb wieder läuft? Warum tragen die Klingonen so komische Helme? Hallo! Helme sind für P’tak! Und warum ist der klingonische Mond Praxis schon zerkrümelt, als die Enterprise auf Qo’nos eintrifft? Das sollte selbst in dieser Zeitlinie erst viel später passieren! Ansonsten wurde Carol Marcus´ Rolle verschenkt. 3D war so überflüssig wie eine Mario-Barth-Show auf Vulkan. Und außerdem hätte ich am Ende gerne einen Cliffhanger gesehen.Verbergen

Unter Trekkies alter Schule wird der Film stark polarisieren. Einige werden J.J. Abrams noch mehr hassen als nach seinem Debüt im Star-Trek-Universum. Sie werden ihm Kulturbanausentum und Blasphemie vorwerfen. Besonders eine gewisse Szene ist umstritten. Wenn ihr den Film gesehen habt, wisst ihr, welche ich meine.

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Ein Teil der eingefleischten Fans schimpft die Szene geklaut und ideenlos. Ich kann diese Sichtweise verstehen. Dennoch bin ich ganz anderer Ansicht. Ich finde die Idee großartig, diese bekannte Szene spiegelverkehrt darzustellen. Sie ist eine Hommage, eine Verneigung vor dem Star-Trek-Erbe. Sie feiert auch in dieser abgewandelten Form die tiefe Freundschaft zwischen Kirk und Spock, die zu den wichtigsten Elementen der Originalserie gehört. Und nicht zuletzt zeigt sie, dass die treibende Kraft von Star Trek immer die gleiche bleibt, egal, in welcher Geschichte man sie verpackt: der ständige Wettstreit zwischen Kopf und Herz und das Streben nach Menschlichkeit.Verbergen

Trotz aller schwarzen Plotlöcher und Schönheitsfehler hat mir der Film sehr gut gefallen. Star Trek: Into Darkness ist einfach hochgradig unterhaltsame, mitreißende Science-Fiction mit okayer Story, überzeugenden Darstellern, grandioser Optik, großen Gefühlen und schönen Ideen, die selbst mit allen Fehlern und Schwächen nie den Geist von Star Trek verliert.

 

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