Review: Stratovarius – Nemesis

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Die neue Stratovarius war eine dieser Platten, bei denen ich nicht wusste, ob ich mich darauf freuen oder Angst davor haben sollte. Die Post-Tolkki-Werke „Polaris“ und „Elysium“ haben in meinen Musikgedächtnis keine Spuren hinterlassen. Die Songs dudeln zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus – weder gut noch schlecht genug, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Schon beim ersten Anspielen von „Nemesis“ die Erleichterung: „Huch, ich höre ja zu! Da geht was!“ Beim zweiten Durchlauf ertappte ich mich dann schon beim Mitsummen einiger Hooklines. Und am nächsten Morgen hatte ich tatsächlich einen Ohrwurm aus der neuen Stratovarius-Kollektion. Ich würde sagen, wir sind wieder im Geschäft!

„Nemesis“ klingt nach einer Band, die ihre Spielfreude wiedergefunden hat. Die Jungs quälen sich nicht mehr durch ihre Songs. Das gemeinsame Songwriting scheint ihnen viel Spaß zu machen – und das steckt an. „Nemesis“ ist ein schönes Stück Happy Metal, was absolut positiv gemeint ist. Was wird das erst für eine Freude, die Songs live zu hören! Das Mitsing-Potenzial ist ja schon bei Konserve hoch 🙂

Schauen wir uns dieses runde Stück Metall mal näher an. Schon der Opener „Abandon“ zündet. Das Tempo ist hoch, die Melodie catchy (um hier ein schrecklich denglisches Wort aus der deutschen Popmusikbranche unterzubringen) und natürlich sind die obligatorischen Chöre zu hören. Letztere allerdings nicht übertrieben, was auch auf dem Rest der Platte positiv auffällt. Auch das Schießbuden-Dauerfeuer wurde mit Neu-Drummer Rolf Pilve merklich zurückgefahren.

Mit Track 2 folgt auch schon der erste Ohrwurm: „Unbreakable“. Gute Entscheidung, daraus eine Single zu machen. „Stand My Ground“ ist ein weiterer starker Song mit fast aggressivem Einstieg, der in einen schön hymnischem Refrain mündet.

Für die ruhigeren Momente haben Stratovarius auch endlich wieder eine sehr schöne Ballade hinbekommen. „If The Story Is Over“ hat gerade genug Kitschpotenzial, um ans Herz zu gehen, ohne dabei in flüssigem Zuckerguss-Metall zu ertrinken.

Der Rest der Platte ist sehr gut („Castles In The Air“) bis nett („Out Of The Fog“). Die Finnen mischen gekonnt strato-typische Elemente und Harmonien mit modernen Keyboard-Sounds (z.B. in „Halcyon“) und verpacken das ganze in einer Unbeschwertheit, die nicht nach einer 30 Jahre alten Band und einem 14. (!) Album klingt.

Echte Kritik gibt’s von mir nur für eine Sache: Den Text von „Fantasy“. „Fantasyyyyy can become reality“ – also bitte! Ich erwarte ja keine lyrische Meisterleistung von einer Power-Metal-Kapelle, aber das hat Dorf-Schülerband-Niveau!

Aber sonst ist alles ganz fein und ich kann nichts anderes als eine Kaufempfehlung aussprechen. Stratovarius sind zurück, und zwar in voller Pracht!

Stratovarius – Nemesis

01. Abandon
02. Unbreakable
03. Stand My Ground
04. Halcyon Days
05. Fantasy
06. Out Of The Fog
07. Castles In The Air
08. Dragons
09. One Must Fall
10. If The Story Is Over
11. Nemesis

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