Ernährung ist kein Ponyhof!

Da haben wir also einen neuen Lebensmittelskandal. Lasagne mit viel PS, Ravioli mit lecker Pfleisch-Pfüllung und das Dönertier ist offenbar tatsächlich ein Pferd – zumindest teilweise. Und niemand hat’s auf die Packung geschrieben. Das hörte sich erst mal nicht so tragisch an, außer vielleicht für Ponymädchen. Sowieso: Rind oder Pferd, egal – Hauptsache Fleisch! Macht ja schließlich nicht krank! Dass jetzt Rückstände von Medikamenten darin gefunden wurden – ok, das ist schon schlimmer! Aber sterben wird man schon nicht dran…

Anders als bei EHEC, Dioxin, Gammelfleisch und co. wird der Pferdefleischskandal oft verharmlost. Doch selbst wenn man das beste Stück vom Pfilet ohne jegliche Belastung in dieser Lasagne gefunden hätte, wäre es unerträglich. Hier geht es ums Prinzip: Kann ich mich noch darauf verlassen, dass keine versteckten Inhaltsstoffe in meinen Lebensmitteln stecken?

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Fertiggerichte kaufen. Aber natürlich steht vieles in meinem Kühl- und Vorratsschrank, das nicht in dieser Form am Baum gewachsen ist. Brotaufstriche, Wurst, Gewürzmischungen, Joghurt, Käse, Backwaren… alles Lebensmittel, die aus diversen und mitunter dubiosen Zutaten bestehen. Ich bin immer wieder entsetzt, was man so alles in einem simplen Brötchen verwursten kann! Ja, ich lese mir tatsächlich die Liste der Inhaltsstoffe durch, wenn ich Lebensmittel kaufe. Als Mensch mit Laktoseintoleranz bleibt mir nichts anderes übrig.

Was wäre, wenn statt Pferdefleisch Milchpulver gerade so günstig und praktisch wäre, dass man damit eine andere Zutat prima strecken könnte? Muss man ja nicht auf die Packung schreiben – soll ja alles „ohne Zusätze“ und super natürlich sein. Oder wir füllen das Hackfleisch in der Lasagne einfach mit gemahlenen Haselnüssen auf! Merkt ja keiner! Ok, außer den paar armen Allergikern, die sich plötzlich in der Notaufnahme wiederfinden. Jaja, ich übertreibe. Oder doch nicht? Wenn in so großem Stil europaweit und über Konzerngrenzen hinweg Rindfleisch mit Pferdefleisch „aufgesattelt“ wird, was steckt dann sonst noch alles in unseren Nahrungsmitteln?

Aufgrund meiner Lebensmittelunverträglichkeit bin ich darauf angewiesen, dass in den Produkten nur das drin ist, was draufsteht. Für die zahllosen Allergiker kann das im Ernstfall sogar lebenswichtig sein. Andere müssen sich aus religiösen oder ethischen Gründen darauf verlassen können, dass ihnen keine verbotenen Lebensmittel untergejubelt werden. Und jeder einzelne von uns sollte unbeschwert sein Essen genießen können, ohne Angst, betrogen zu werden-

Dieser Fleischskandal hat das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie sicher schwer erschüttert. Ich hoffe, die Händler werden in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen und die Politik wird wirkungsvolle Maßnahmen treffen, um solche Betrügereien in großem Stil einzudämmen. Aber auch wir selbst sollten etwas dafür tun. Weniger Fertiggerichte kaufen und mehr selbst kochen, mit frischen Zutaten. So lernt man Lebensmittel ganz anders schätzen und schmeckt sie wieder richtig, unverfälscht. Eine Lasagne zuzubereiten ist kein Aufwand – zehn Minuten Vorbereitung, 30 Minuten überbacken – ich habe noch nie gehört, dass jemand innerhalb von einer halben Stunde verhungert wäre 🙂

Vor allem sollten wir uns aber klar machen, dass es für drei Cent kein gutes Fleischgericht gibt. Gute Qualität hat ihren Preis – das heißt nicht, dass sie teuer sein muss, aber für spottbillig gibt´s nun mal nur Schrott! Unsere Ernährung sollte es uns wert sein, ein wenig in sie zu investieren. Und wenn´s wirklich günstig sein soll, empfehle ich, statt in der TK-Abteilung öfter mal am Gemüseregal halt zu machen.  Die Möhrchen und Avocados sind garantiert frei von Pferdefleisch 🙂

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