Ein bisschen mehr Begeisterungs-Fähigkeit, bitte!

„Four more years“. US-Präsident Obama geht in die Verlängerung. Congratulations, Mr. President! Viel Glück und starke Nerven für die kommende Amtszeit.

Es ist gut, dass dieser Mammutwahlkampf endlich vorbei ist. Was für ein Nervenkrieg für beide Kandidaten und ihre Familien! Und ich bin immer wieder fassungslos, wenn ich von den Milliardensummen höre, die in den US-Wahlkampf geflossen sind. Beträge, mit denen man mal eben Griechenland retten könnte! Aber eine Sache gefällt mir an dem ganzen US-Politikzirkus – und die ist gar nicht so teuer: mitreißende Reden. Da haben „unsere“ Politiker noch Nachholbedarf.

Klar, US-Politikerreden strotzen meist vor Pathos. Da wird aus der kleinsten Sache etwas Weltbewegendes gemacht, ein Superlativ an den anderen gehängt und es ist sowieso alles „amazing“. US-Politiker beherrschen das Mittel der maßlosen Übertreibung perfekt. Und viele beschäftigen professionelle Schreiberlinge, die das Formulieren übernehmen. Aber glaubwürdig und fesselnd rüberbringen müssen sie den ganzen Sermon immer noch selbst. Was man vom Redner auch halten mag: Man kann ihm wenigstens zuhören und sich im Anschluss eine Meinung über seine Positionen und seine Persönlichkeit bilden. Bei den staubtrockenen rhetorischen Ödnissen, die man hierzulande meist hört, kommt man oft nicht über die ersten drei Minuten hinaus.

Ich finde, unsere Politiker sollten sich ein wenig mehr – nicht übertrieben! – in diese Rede-Richtung orientieren. Ich will nicht aus jedem Wort heraushören, dass die Last der Verantwortung, der harte Politalltag oder einfach nur die letzte langweilige Ausschusssitzung auf ihren Schultern lasten. Ich will hören, dass ihnen ihr Job Spaß macht und dass sie hinter dem stehen, was sie in den Parlamenten dieser Bundesrepublik beschließen! Etwas mehr Emotion, etwas mehr Wortwitz, etwas mehr Unterhaltungspotenzial würde dem deutschen Politikbetrieb guttun.

Ich wünsche mir mehr Begeisterungs-Fähigkeit!

Sicher, in erster Linie sollten Politiker sachlich einen ordentlichen Job machen. Aber das schließt ja nicht aus, dass sie diesen Job für uns alle etwas spannender gestalten. Eine politische Rede muss doch nicht als Einschlafhilfe taugen, nur weil sie sich um ernste oder komplizierte Themen dreht. Ob’s uns passt oder nicht: Das Showbusiness ist unverzichtbarer Teil der Politik und jeder Berufspolitiker sollte es als Teil seines Handwerkszeugs beherrschen. Natürlich muss nicht jede Rede sich als Sample-Material für die Popmusik künftiger Generationen taugen. Aber hin und wieder könnte die Rhetorik ein kleines bisschen großartig sein.

Also, liebe Politiker: Macht inhaltlich einen guten Job, steht zu dem, was ihr versprecht, aber liefert auch eine gute Show! Zeigt Emotionen! Macht Politik spannend! Und sorgt dafür, dass nächstes Jahr viele Bürger zur Bundestagswahl gehen!

US-Präsident Barack Obamas Wahlsieger-Rede

Verlierer Mitt Romney dankt seinen Wählern

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.