14. März 2012    /    Alben, Musik    /    Tags: , , , , ,

Review: Epica – Requiem For The Indifferent

Es ist mal wieder Zeit für ein wenig Bombast in der Musiksammlung! Die Symphoniker von Epica haben ein neues Langwerk veröffentlich. “Requiem For The Indifferent” heißt das Album – der Titel klingt viel klischeegothischer als der musikalische Content, der sich dahinter verbirgt. Tatsächlich entfernen sich Epica mit diesem Album noch weiter vom Düstermetal-Branding. Und das tut ihnen sehr gut!

Die typischen Epica-Elemente sind natürlich weiterhin unverzichtbarer Teil der Songs: Chöre, soundtrackartige Passagen im Wechsel mit harten Riffs, orientalische Anklänge und “Die-Schöne-und-das-Biest”-Duette von Simone Simons und Mark Jansen. Aber alles wirkt ausgereifter, weniger klischeehaft, eigenständiger. Die Band hat offenbar keine Lust mehr, auf eine bestimmte Position im Metal-Periodensystem festgelegt zu werden und hat sich stattdessen zu einer interessanten Legierung weiterentwickelt.

Eingängiger werden die Songs dadurch nicht, im Gegenteil. Ohrwurmmaterial ist auf dieser Platte nicht zu finden – und das ist auch gut so! Ich hatte mit Epica bisher immer das Problem, dass ich mich sehr schnell sattgehört habe. Ich weiß nicht einmal genau, woran es liegt, aber bei den älteren Sachen kommt bei mir nach wenigen Durchläufen akustische Langeweile auf und Epica landen bald wieder unter “kann man mal hören, aber bitte nicht zu oft”. Auf “Requiem” gibt´s dagegen viel zu entdecken. Da finden sich Gänsehautmelodien wie in den epischen Balladen “Delirium” und “Deep Water Horizon”, Doublebass-Attacken wie z.B. in “Monopoly On Truth” und in vielen Titeln ein erfrischendes Wechselspiel zwischen episch-symphonischen, roh-metallischen und erstaunlich proggigen Passagen. Epica zeigen eine vielversprechende Entwicklung im Songwriting – und auch in der Sangeskunst ihrer Frontfrau.

Simone Simons klingt großartig auf “Requiem”. Sie hat sich stimmtechnisch im Vergleich zu “Design Your Universe” noch gesteigert! Die Frau gehört inzwischen wirklich zur Meisterklasse der Metal-Sirenen. Ihre Stimme ist wandelbar, warm und ausdrucksstark – und jederzeit wiedererkennbar. Auf dem neuen Album übernimmt sie die Vocalparts über weite Strecken alleine, Mark Jansen steuert nur noch an ausgewählten Stellen ein paar Growls bei. Meiner Meinung nach tut das dem Sound der Band gut. Ich gebe zu, es ist zu großen Teilen eine Geschmacksfrage und ich favorisiere Klargesang, aber reduziert und gezielt eingesetzt finde ich ein paar Growlakzente durchaus passend.

“Requiem For The Indifferent” ist für mich das bislang beste Album der Niederländer. Der progressivere Ansatz gefällt mir außerordentlich gut. Epica lösen sich von alten Klischees und haben verstanden, dass weniger meistens mehr ist. Weniger Bombast, kein inflationärer Einsatz von Chören oder Growls, alles wohldosiert und gutplatziert. Im Vergleich zu dem total überfrachteten, totsinfonierten “Imaginaerum” von Nightwish ist “Requiem” ein beinahe filigran klingendes Stück Edelmetall :-) Das macht richtig Lust, Epica mal wieder live zu hören!

Anspieltipps kann man ja nicht wirklich geben, denn die Songs nur anzuspielen hat so viel Aussagekraft wie der Klappentext eines 800-Seiten-Romans. Ich nenne sie lieber Anhörtipps :-) Dank meiner Schwäche für Longtracks muss ich natürlich den Titelsong “Requiem For The Indifferent” und “Serenade Of Self Destruction” empfehlen, das an der 10-Minuten-Marke kratzt. Und dem versteckten Kitsch-und-Schnulzenfan, der in uns allen steckt (auch wenn ihr´s niemals zugeben würdet :-) ) lege ich noch “Deep Water Horizon” ans Herz. Habe ich eben geschrieben, dass “Requiem” kein Ohrwurm-Material enthält? Nun, diese Powerballade – falls man sie so nennen kann – hat sich dann doch festgesetzt.

Mein Fazit: Epicas neuestes Werk hat als erstes Album dieser Band das Potenzial, es zumindest in Auszügen auf einen meiner streng limitierten Playlist-Plätze zu schaffen. Und ich denke, da geht noch mehr! Epica haben noch viel ungenutztes Potenzial. Ich bin gespannt, in welche Richtung die Entwicklung geht.

Ein Kommentar zu “Review: Epica – Requiem For The Indifferent”

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