Die Taube und der Spatz – Kundenvergraulen de Luxe

Manche Geschichten sind so unglaublich, dass sie fast nur aus einer schlechten Sitcom stammen können – und trotzdem vom Leben geschrieben wurden. Das, was meine Schwiegermutter und meine Schwägerin vor kurzem erlebt haben, gehört dazu.

Die beiden waren auf der Suche nach einer Küche für die neue Wohnung meiner Schwägerin. Wahrscheinlich landet jeder, der in der Saarlouiser Gegend wohnt und auf Einrichtungssuche ist, irgendwann im Möbel Martin in Ensdorf. Ist grundsätzlich auch keine schlechte Adresse (in vielen Abteilungen wird man anständig beraten), doch in der Küchenabteilung arbeitet offenbar nicht nur qualifiziertes Personal…

Möbel Martin, Küchenabteilung, im Juni 2011: Meine Schwägerin und die Schwiegermutter landen auf ihrer Küchenodyssee bei einem Herrn M., der auch gewissenhaft seinem Job nachkommt und das Beratungsgespräch beginnt. Schnell schrumpfen jedoch die Dollarzeichen in den Augen des Herrn M., als ihm klar wird, dass die beiden Damen nicht gerade den Porsche unter den Küchen suchen, sondern einen soliden Kleinwagen. Der Herr M. wäre nun aber gerne ein Porsche-Küchen-Verkäufer, schließlich kann er nur so auch irgendwann Porsche-Käufer werden. Er bricht die Beratung ab, weil ihm „plötzlich“ einfällt, dass er noch dringenden Schriftverkehr erledigen muss und vereinbart einen neuen Termin mit den Hoffentlich-Nicht-Kundinnen.

Nächster Versuch: Schwiegermutter und Schwägerin sind pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt ein paar Tage später wieder in der Möbel-Martin-Küchenabteilung. Herr M. ist auch da – noch mitten in einem Kundengespräch. Dass das oft ein bisschen länger dauert, ist natürlich kein Problem – die potenziellen Küchenkäuferinnen warten gerne ein paar Minuten. Doch die Minuten werden zu Viertelstunden, Herr M. ist immer noch eifrig am verkaufen (klar, wenn die Dollarzeichen in den Augen wachsen, hat man irgendwann die Uhr nicht mehr im Blick!). Nachdem er die unerwünschten Kundinnen fast eine geschlagene Stunde hat warten lassen („Mist, die sind ja immer noch da!“), bietet er ihnen einen weiteren Ersatztermin an. Gutmütig wie sie sind willigen Schwiegermutter und Schwägerin ein („Menno, die lassen sich aber auch gar nicht abwimmeln!“).

Nun denkt der Herr M. offenbar, dass er der einzige ist, der arbeitet. Meine Schwägerin arbeitet nun aber auch – ja, Herr M., auch wenn sie keine Porsche-Küche kauft, muss sie Geld verdienen! – und kann an dem neuen Termin nicht dabei sein. Ärgerlich, da es ja um ihre Küche geht. Wie auch immer: Sie legt die Verantwortung in die Hände ihrer Mutter und die ist wieder pünktlich zum vereinbarten Beratungstermin zur Stelle. Diesmal hat Herr M. weder Kundschaft noch wichtigen Schriftverkehr, doch eine Entschuldigung für das „vergessene“ letzte Gespräch hält er als Upper-Class-Berater natürlich nicht für nötig. Stattdessen erklärt er die geplatzte Beratung mit folgender Aussage:

„Die Taube ist mir lieber als der Spatz.“

Herr M., dass Sie offensichtlich einen Vogel haben, muss ich nicht extra betonen. Vielleicht könnten Sie aber noch präzisieren, ob es sich dabei um eine Nebelkrähe oder um eine Gummiente handelt…

Liebe Leser, ich weiß nicht, ob ich jemals etwas Unverschämteres gehört habe. Einer Kundin so etwas vor den Kopf zu knallen, nachdem das ganze Verhalten des Herrn M. schon eine bodenlose Frechheit war… ich war einfach nur sprachlos. Ich werde auch nichts weiter dazu kommentieren – ich denke, der Geschichte brauche ich nichts hinzuzufügen.

Dass meine Schwägerin ihre Küche nicht bei Möbel Martin in Ensdorf gekauft hat, dürfte sich von selbst verstehen…

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Jaja, manche Menschen hat der liebe Gott erst kurz vor Feierabend gemacht.

    Also wurde aus dem dritten Gespräch dann auch nix und die Mutter ist nach dem Tauben-Spatz-Satz wütend gegangen?

    Du hast mich gerade inspiriert, eine alte Story noch einmal in meinem Blog zu veröffentlichen. Würde mich freuen, wenn du das mal lesen würdest. Ist auch ne krasse Geschichte :).

    http://ziehanmeinemfinger.blogspot.com/

  2. Absolut unglaublich. Hoffentlich liest es einer der Verantwortlichen. Mit ein bißchen Social Media Monitoring dürfte man den Artikel ja finden…..

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