Twitter, Tragödien und Emotionen

Ich wollte es eigentlich nicht, doch jetzt muss ich doch noch was zum Thema Loveparade-Unglück und Twitter schreiben.

Ich bin verwirrt.

Da passiert etwas schreckliches, unvorhergesehenes – ein gefundenes Fressen für Twitter. Dafür ist es da, für schnelle Reaktionen, sofortiges Feedback.

Natürlich wird viel Müll getwittert, schockierende Aussagen, hämische Kommentare, die erst einmal fassungslos machen. Und natürlich wird diskutiert. Über das Wie, das Warum und auch darüber, wie man es hätte besser machen können.

Und genau daran stören sich jetzt einige. Sie werfen mit Worten wie „Klugscheißer“, „Besserwisser“, „Klappe halten“ um sich. Und ich frage mich WARUM???

Natürlich wird hier spekuliert, vorverurteilt, geklugscheißert. Und?? Genau das passiert seit Jahrhunderten an allen Stammtischen, Küchentischen, Großraumschreibtischen dieser Welt. Nur dass es jetzt schriftlich festgehalten wird.

Liebe Leute, wenn ihr Twitter, Facebook und co. nutzt, müsst ihr lernen, damit umzugehen. So sind die Menschen, so versuchen sie, schreckliche Nachrichten zu verarbeiten. Twitter ist kein Journalismus. Hier schreiben Menschen rein subjektive Ansichten, schreiben sich in 140 Zeichen von der Seele, was sie jetzt, in dieser Sekunde, vielleicht auch schon länger bedrückt, bewegt und erfreut. Posten einen Gedanken in die Welt, schnell, unmittelbar, oft unüberlegt. Aber das ist die Natur dieses Mediums. Es ist wie beim gemeinsamen Fußballgucken: man beschimpft erst mal den Schiri, bevor man in der Zeitlupe sieht, dass es tatsächlich abseits war. Das ist nicht fair, nicht produktiv – einfach impulsiv. So sind wir nun mal.

Wem das zu viel wird, was ich auch verstehen kann, der kann ja Twitter einfach mal zwei Tage ruhen lassen und sich in aller Ruhe die Sondersendungen zum Thema im TV anschauen. Am besten die im WDR, denn der hat meiner Meinung nach als einziges Medium ausgewogen, überlegt und journalistisch hochwertig über die Tragödie berichtet.

Von anderen Medien gab´s dagegen die volle Ladung Sensationsgier. Und das geht gar nicht. Denn nicht alles, was am Stammtisch, beim Frühstück und bei Twitter legitim ist, ist mit journalistischen Qualitätsmaßstäben und dem Pressekodex vereinbar.

Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen. Ansonsten hoffe ich, dass diese schlimme Geschichte sachlich und ordentlich aufgeklärt wird – und auch die Journalisten einen guten Job in der Berichterstattung darüber machen. Bilder wie die von der Pressekonferenz des Krisenstabes möchte ich nicht mehr sehen.

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