Nun wage ich mich endlich an das versprochene Avantasia-Review. Da “The Wicked Symphony” und “Angel of Babylon” kein Doppelalbum sein sollen, sondern zwei eigenständige, wenn auch thematisch verknüpfte Werke, fangen wir mal mit “The Wicked Symphony” an. Vorweg kann ich schonmal sagen, dass ich dieses Album besser finde als seine Geschwisterplatte.
Aber nun zum Thema. Ja, lieber Herr Sammet, ich muss sagen, du machst es mir nicht ganz leicht. Ich habe bis jetzt mit dem Review gewartet, um die Songs länger wirken zu lassen.
Der Opener und Titeltrack verspricht Erlesenes – ein Kracher erster Güte, mit der geballten Stimmpower von Tobias Sammet, Russell Allen und Jorn Lande. Das ist Bombast, wie wir ihn von Avantasia kennen und lieben. Sammet scheint hier zu seinen Metal Opera-Wurzeln zurückzukehren. Und so ist auch das folgende “Wastelands” mit Sammet und Kiske waschechter Powermetal – ein richtiger Gute-Laune-Track.
Was jetzt folgt, ist für mich der Aussetzer des Albums. Das liegt nicht etwa an “Ripper” Owens Sangesleistung (die ist perfekt), sondern an Herrn Sammets Songwriting. Die Harmonien im Refrain von “Scales of Justice” sind meiner Meinung nach total missglückt – es klingt nicht schräg, sondern einfach… falsch. Es tut mir sehr leid für den Song – er hätte was besseres verdient.
“Dying for an Angel” ist die erste Single-Auskopplung und die Leadvocals singt Klaus Meine himself. Für mich ein Song mit Ohrwurm-Potenzial, der schon in Richtung Hardrock geht und eher an das Vorgängeralbum “The Scarecrow” erinnert als an die alten Avantasia-Scheiben. Auch “Blizzard on a Broken Mirror” gefällt, ebenso die Powerballade “Runaway Train”. Der Achtminüter steigert sich schön dramatisch und hat mit Catley, Lande, Sammet und Kiske fast die ganze Mannschaft der Sangeskünstler dabei.
Mit “Crestfallen” folgt ein ganz netter Powermetal-Track. Allerdings sollte Tobias das, naja, Screaming einem Kollegen überlassen – bei ihm kling´s eher nervig, so sehr ich seine Stimme ansonsten auch schätze. Der Song blieb bisher genauso wenig in meinem Gehörgang hängen wie das folgende “Forever is a long time”, wobei auch dieser Titel keinesfalls schlecht ist, insbesondere wegen Jorn Landes Gesangsleistung.
Etwas düster-dramatisch präsentiert sich “Black Wings” – ein gelungener Song, auch wenn der Titel sehr nach kommerziell orientiertem Female-fronted-Gothic-Pop-Metal klingt. “States of Matter” ist klassischer Avantasia-Powermetal. Viel Power, viel Metal, viel Avantasia. Daumen hoch. Der letzte Track heißt “The Edge” und bildet einen schönen Abschluss für “The Wicked Symphony”.
Mein Fazit zum ersten der beiden neuen Sammet-Werke: solide, ja, sogar richtig gut, aber nicht herausragend. Ich weiß, das Album hat fast durchgehend Bestnoten bekommen, aber ich kann mich dem nicht ganz anschließen. 8 von 10 Punkten sind denke ich angemessen. Es ist bis auf “Scales of Justice” kein Aussetzer dabei, es macht Spaß, die Scheibe durchzuhören und “The Wicked Symphony” ist ebenso wie “Dying for an Angel” ein richtig guter Song. Was mir fehlt, sind zukünftige Klassiker, die wirklich im Ohr und im Herzen bleiben.
“Angel of Babylon” werde ich in einem eigenen Beitrag besprechen. Ich denke, es reicht für heute
