Setzt die Segel, holt die <a name=”#anker”> ein und lasst uns den Stürmen trotzen (sehr passender Text, wenn ich aus dem Fenster schaue). Mit “Große Freiheit” hat der Graf ein sehr durchhörbares Konzeptalbum abgeliefert. Die Seefahrer-Metaphorik zieht sich durchgängig durch alle Songtexte und auch die Melodien schaffen eine gewisse Störtebeker-Atmosphäre. Das Wechselspiel zwischen ruhigen und schnellen Titeln ist gut gelungen. Schön ist der durchweg positive Tenor der Songs. Anders als viele seiner Kollegen setzt der Graf hier nicht auf Herzschmerz und Melancholie, sondern auf erfrischenden Optimismus. Trotz “Seenot”, Gefahren “Unter Feuer” und “Fernweh” erreicht er am Ende sicher den heimischen Hafen.
Das Album kommt ohne songtechnischen Aussetzer daher, viele Nummern sind sogar richtig gut. Da wäre zum einen die Single “Geboren um zu leben, die mit guten Lyrics punkten kann. Sie ist ein Sequel zu “An deiner Seite” und handelt davon, über den Verlust eines geliebten Menschens hinweg zu kommen. “Der Kracher “Unter Feuer” kann gewisse Rammstein-Anklänge nicht leugnen – allerdings ohne lindemannesk gerrrrrolltes R. Ein Song, der live sicher richtig einschlägt. “Große Freiheit” ist des Grafen Liebeserklärung an Hamburg, wo er mehrere Jahre gelebt und seine ersten musikalischen Schritte gewagt hat. Sehr schöner Titel, der – zumindest für saarländische Ohren – sehr nach der Stadt im Norden klingt und ein wenig die Sehnsucht nach der Nordseeküste weckt. Ein weiteres Highlight ist das ruhige “Unter deiner Flagge”. Nun haben Songs zu Ehren der Mutter ja genreübergreifend Tradition im musizierenden Gewerbe – von Queen bis Sido widmet so ziemlich jede Band und jeder Künstler irgendwann in seiner Karriere seiner Mama einen Song. Doch warum auch nicht? Die Unheilig-Variante ist textlich und melodisch einfach nur schön und man kauft´s dem Herrn Grafen ab, was er da singt. “Unter deiner Flagge” wird bei den Fans sicher bald einen Ehrenplatz unter den Unheilig-Balladen einnehmen. Das Album endet mit dem Instrumental “Neuland”, das die Melodien der übrigen Songs wieder aufnimmt und als Abspann dient.
Unheilig setzen bei “Große Freiheit” auf Altbewährtes, was aber durchaus nicht negativ gemeint ist. Die Mischung aus Synthie-Klängen, metallischer Instrumentalisierung und natürlich der warmen, tiefen Stimme des Grafen ist gutes Ohrenfutter. Dass man dabei tief in radiotaugliche Gewässer vordringt, wird so manchem Fan natürlich gegen den Strich gehen. Auch kommen gewisse Tonfolgen ein wenig zu oft zum Einsatz. Da muss der Graf künftig aufpassen, dass er ein bisschen frischen Wind in sein Songwriting bringt. Die Texte sind weiterhin gut und das Album bietet thematisch und klanglich eine Einheit. Das Thema Seefahrt wurde natürlich schon oft besungen und klingt daher stellenweise etwas überstrapaziert, die gute Umsetzung sorgt jedoch dafür, dass dies nicht zur Flaute wird. Die neue Unheilig-Fregatte bekommt von mir 7 von 10 möglichen Rumbuddeln – Prost, ihr Blogmatrosen, Musikpiraten und Webkapitäne!
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