Journalismus als Auslaufmodell?

Auf sueddeutsche.de ist derzeit eine interessante Serie zu lesen: „Wozu noch Journalismus“? Im dritten Teil schreibt Journalist und Blogger Stefan Niggemeier über die Möglichkeiten, die das Internet dem Journalismus bietet – und die dieser einfach nicht wahrnehmen will. Niggemeier moniert die zweifelhafte Taktik, den Webauftritt als Resteverwertung und Zweite-Wahl-Wühltisch zu gebrauchen. Er hat recht: wer nur Agenturmeldungen copyundpastet und einigen Klatsch und Tratsch dazwischensaut, der braucht sich nicht zu wundern, wenn niemand mehr erkennt, dass eigentlich Qualitätsjournalismus hinter dem Meldungs-Sammelsurium steckt. Neue Zielgruppen für die Printausgabe lassen sich damit sicher nicht gewinnen.

Niggemeier kritisiert die Jagd nach immer höheren Nutzerzahlen und die Klickweltmeisterschaften. Stattdessen sollten sich die Angebote darauf konzentrieren, einen treuen Leserstamm aufzubauen und zu halten. Diese Nutzer sind es, die letztendlich auch für den so sehnlichst herbeigewünschten Erfolg von Paid-Content-Angeboten sorgen können. Immerhin: seit StudiVZ und co. das IVW-Ranking gipfelgestürmt haben, wird den Unique Visitors ein größerer Stellenwert beigemessen und löst die Page Impressions als „Online-Währung“ ab. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, wie auch Niggemeier schreibt.

Jetzt müssen die Journalisten noch lernen, medienspezifische Beiträge zu erstellen. Man kann nicht einfach den Content aus der Printausgabe zweitverwerten oder, wie Niggemeier schreibt, Agenturmeldungen mit einer werbegespickten Klickgalerie onlinetauglich machen wollen. Es zeugt nicht von Professionalität, wenn wortwörtlich der selbe Text in mehreren Konkurrenzangeboten zu lesen ist. Abschreiben kann jeder, dazu braucht man weder eine Frau Hegemann noch eine Edelfeder. Und dafür wird auch niemand bezahlen wollen.

Niggemeier beschreibt ganz treffend, dass die Journalisten heute nicht vorrangig als Informationsversorger agieren sollten, sondern als Informationsfilterer. Mit anderen Worten: ihre Funktion als Gatekeeper, die das Wichtige vom Unwichtigen, Fakten von Gerüchten trennen und diese Informationen auch professionell aufbereiten, ist heute wichtiger denn je. Klasse statt Masse, dann zahlen wir Leser auch gerne dafür.

Brauchen wir noch Journalismus? Stefan Niggemeiers Antwort auf diese Frage ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen:

„Nicht gebraucht wird nur schlechter Journalismus. Aber das war schon immer so. Es fiel früher nur nicht so auf.“

Quelle: „Wozu noch Journalismus?“ (3), von Stefan Niggemeier (sueddeutsche.de)

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Apropos „Content aus der Printausgabe zweitverwerten“: Indem man einen Artikel aus der Süddetschen kommentiert, wird man – das ist übrigens genau die Zweitverwertung, die Stefan Niggemeier wohl meint – eher weniger zur Umwälzung im Verhältnis Print – Online, beitragen. Und bitte sagen sie nicht, dieser Artikel selbst wäre die notwendige und relevante Vereinfachung des Original-Artikels, der das Bloggen unabkömmlich macht.

  2. Nein, umwälzen wird mein Kommentar leider nichts. auf Panzerkeks.de wird höchstens etwas überrollt – sonst müsste das Blog ja umwaelzpumpe.de heißen 😉
    Und nein, der Artikel auf sueddeutsche.de ist auch nicht gerade onlinegerecht aufbereitet, aber inhaltlich fand ich ihn gut.

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